nnz-online
Entscheidung in Sachsen-Anhalt

Schutzgebiet bleibt tabu für Gipsabbau

Mittwoch, 27. Mai 2026, 12:05 Uhr
Der geplante Naturgipsabbau im Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz in Sachsen-Anhalt ist vorerst vom Tisch. Der Koalitionsausschuss des Landes hat entschieden, den Schutzstatus für das Gipskarstgebiet bei Breitungen im Landkreis Mansfeld-Südharz beizubehalten...

Der Umweltverband BUND wertet die Entscheidung als bedeutendes Signal für den Schutz der gesamten Südharzer Gipskarstlandschaft. Konkret lehnten die Regierungsparteien eine Änderung im Landesentwicklungsplan ab, nach der die rund 125 Hektar große Fläche ihren Status als „Vorranggebiet für Natur und Landschaft“ verloren hätte. Damit bleibt das Gebiet weiterhin unter besonderem Schutz und kann nicht für den Naturgipsabbau freigegeben werden.

Die Landesverbände des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen begrüßten die Entscheidung. Aus ihrer Sicht geht es dabei nicht nur um ein regionales Einzelprojekt, sondern um den grundsätzlichen Umgang mit der einzigartigen Gipskarstlandschaft im Südharz.

Ralf Meyer, Landesvorsitzender des BUND Sachsen-Anhalt, sprach von einem wichtigen Schritt für den Naturschutz. Die Südharzer Gipskarstlandschaft sei weltweit einzigartig und wissenschaftlich belegbar nach einem Abbau nicht wiederherstellbar. Nun brauche das Gebiet langfristige Sicherheit.

Zugleich fordert der BUND ein Umdenken in der Baustoffpolitik. Statt neue Abbauflächen auszuweisen, müssten Gipsrecycling und alternative Baustoffe stärker gefördert werden. Nach Angaben des Umweltverbands liegt die tatsächliche Recyclingquote von Gips derzeit lediglich bei rund sechs Prozent – trotz gegenteiliger Aussagen aus der Industrie.

Kritisch sehen die Naturschützer außerdem die Entwicklung bestehender Recyclingstrukturen. Nach dem angekündigten Aus des Gipswerks im niedersächsischen Embsen wurde zuletzt auch die Schließung eines Gipsrecyclingwerks in Zweibrücken bekannt.

Auch aus Thüringen und Niedersachsen kommt Unterstützung für die Entscheidung aus Sachsen-Anhalt. Der Thüringer BUND-Landesvorsitzende Burkhard Vogel erklärte, die Südharzer Gipskarstlandschaft dürfe nicht zum „Spielfeld multinationaler Gipskonzerne“ werden. Stattdessen brauche es klimafreundliche Bauweisen und die Förderung alternativer Baustoffe.

Susanne Gerstner, Landesvorsitzende des BUND Niedersachsen, forderte verbindliche Vorgaben für Rückbau, Trennung und Wiederaufbereitung von Gipsabfällen. Zudem sprach sie sich für ein Deponierungsverbot von Gipsplatten nach österreichischem Vorbild aus, um Recyclingquoten deutlich zu erhöhen.

Der BUND engagiert sich seit Jahren für den Schutz der Karstlandschaft im Südharz, unter anderem mit dem Projekt „Netzwerke für den Gipskarst“.
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 msh-online.de