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Zum Weltgesundheitstag am 4. April

Immer mehr Ältere und Kranke

Samstag, 04. April 2026, 10:13 Uhr
Der demografische Wandel verändert die Altersstruktur der Bevölkerung in Thüringen seit Jahren deutlich. Immer mehr ältere Menschen leben im Freistaat mit spürbaren Auswirkungen auf Gesundheitsversorgung und Pflege. Anlässlich des Weltgesundheitstags am 7. April zeigt das Thüringer Landesamt für Statistik anhand ausgewählter Daten, wie sich die Bevölkerungsentwicklung auf das Gesundheitswesen auswirkt und warum wissenschaftlich fundierte Statistiken eine wichtige Grundlage für politische und gesellschaftliche Entscheidungen bilden...

Pflegevorausberechnung - Pflegebedürftige 2021 bis 2042 in Thüringen nach Altersgruppen (Foto: Quelle: Statitisches Landesamt) Pflegevorausberechnung - Pflegebedürftige 2021 bis 2042 in Thüringen nach Altersgruppen (Foto: Quelle: Statitisches Landesamt)
Ende 2024 lebten in Thüringen rund 2,1 Millionen Menschen. Darunter waren 589 Tausend Personen beziehungsweise 28,0 Prozent der Bevölkerung 65 Jahre oder älter. Auch die Gruppe der Hochaltrigen ist inzwischen gut vertreten: Rund 89 Tausend Menschen (4,3 Prozent) waren 85 Jahre oder älter. 30 Jahre zuvor sah das noch ganz anders aus. Ende 1994 waren 14,7 Prozent der Bevölkerung 65 Jahre oder älter und nur 1,4 Prozent 85 Jahre oder älter. Das entspricht einem Anstieg der Hochaltrigen von 157,0 Prozent. Langfristige Vorausberechnungen zeigen, dass sich dieser Trend fortsetzen dürfte.

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, pflegebedürftig zu werden. Zum Stichtag 15.12.2023 gab es in Thüringen insgesamt rund 194 Tausend Pflegebedürftige, darunter knapp 155 Tausend Menschen im Alter von 65 Jahren oder älter (79,7 Prozent). Damit waren 9,2 Prozent der Bevölkerung auf Pflegeleistungen angewiesen. Zehn Jahre zuvor lag der Anteil noch bei 4,0 Prozent.

Die Entwicklung der älteren Bevölkerungsgruppen spielt eine zentrale Rolle für die Planung von Pflegeangeboten. Der Anstieg der Gesamtzahl Pflegebedürftiger geht mit einer Zunahme sowohl der ambulant als auch der stationär versorgten Pflegebedürftigen einher. Die Zahl der Pflegebedürftigen, die mit ambulanter Pflege versorgt wurden, hat sich von 1999 bis 2023 fast vervierfacht (1999: 12.185; 2023: 42.283). Die Anzahl der vollstationär versorgten Pflegebedürftigen hat sich im selben Zeitraum fast verdoppelt (1999: 13.752; 2023: 24.385).

Trotzdem wurden die meisten Pflegebedürftigen sowohl 1999 als auch 2023 zu Hause allein durch Angehörige betreut, jeweils knapp über die Hälfte (1999: 56,1 Prozent; 2023: 54,2 Prozent). Während das 1999 allerdings 33.825 Pflegebedürftigen entsprach, waren es 2023 schon 105.128 (+71.303 Pflegebedürftige). Nicht nur das öffentliche Gesundheitswesen musste sich also auf mehr Pflegebedürftige einstellen, sondern auch die Angehörigen.

Die Pflegevorausberechnung (Anschlussrechnung auf Basis der 3. regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung und der Pflegestatistik 2021) zeigt außerdem, dass sich diese Entwicklung vermutlich fortsetzen wird. Für die Anzahl an Pflegebedürftigen wird im Vergleich zu 2021 bis zum Jahr 2042 insgesamt ein Anstieg um 27,0 Prozent erwartet. Während die Anzahl an unter 60-Jährigen größtenteils stabil bleibt, steigt die Zahl der älteren Pflegebedürftigen besonders stark. Die Gruppe der 70- bis unter 80-Jährigen soll um 32,7 Prozent steigen, die Gruppe der 80- bis unter 90-Jährigen um 26,2 Prozent und die Gruppe der 90-Jährigen und Älteren sogar um 95,6 Prozent.

Aber nicht nur die Anzahl an Menschen, die pflegebedürftig sind, wächst stetig an – ein ähnliches Bild zeigen die Krankenhausfälle. Die Vorausberechnung der Krankenhausfälle bis 2042 (Anschlussrechnung auf Basis der 3. regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung und der Krankenhausstatistik 2022) zeigt eine Veränderung der Fallzahlen in Thüringen. Obwohl die Gesamtzahl der Krankenhausaufenthalte bis 2042 voraussichtlich um 1,4 Prozent abnehmen wird, wird die Zahl der Behandlungsfälle bei den über 80-Jährigen und Älteren um 25,0 Prozent ansteigen.

Die Steigerung der Krankenhausfälle unter den Älteren erfordert eine Anpassung der Kapazitäten im Gesundheitswesen. Diese Anpassung zeigte sich bereits in der Entwicklung der Bettenzahl. Während sich die aufgestellten Betten im Jahresdurchschnitt beispielsweise im Bereich der chirurgischen Fachabteilungen zwischen 2007 und 2023 fast halbiert haben (-44,0 Prozent), gab es den stärksten Bettenzuwachs der allgemeinen Fachabteilungen im Bereich Geriatrie (+58,3 Prozent).

Die dargestellten Zahlen verdeutlichen, wie eng Bevölkerungsentwicklung, Pflege und Gesundheitsversorgung miteinander verknüpft sind. Statistische Daten helfen dabei, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und Entwicklungen langfristig zu beobachten. Anlässlich des Weltgesundheitstags unterstreicht das Thüringer Landesamt für Statistik damit die Bedeutung wissenschaftlicher Erkenntnisse für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung. Verlässliche Daten bilden eine wichtige Grundlage, um gesellschaftliche Herausforderungen wie den demografischen Wandel zu analysieren und geeignete Maßnahmen zu planen.
Autor: red

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