Erhalt der Grundschulen gefordert
Gerbstedter Stadtrat hat Vertrauensvorschuss komplett verspielt
Freitag, 11. Oktober 2019, 16:38 Uhr
Bei der jüngsten Kommunalwahl haben die Bürger im Vertrauen darauf, dass sich der neue Stadtrat auch für den Erhalt der Grundschulen Siersleben und Heiligenthal stark macht, ihre Kandidaten gewählt. Doch nun dies: Die Mehrheit des Stadtrates Gerbstedt stimmt dafür, die Grundschulen Siersleben und Heiligenthal dicht zu machen...
Angeblich stehen Fördermittel für den Neubau einer Grundschule in Gerbstedt zur Verfügung. Wieso werden diese Mittel nicht für die Sanierung der vorhandenen Schule eingesetzt? Oder, mal provokant gefragt: Wurde die Gerbstedter Grundschule jahrelang sanierungstechnisch derart vernachlässigt, damit sie irgendwann durch einen Neubau ersetzt werden muss? Um diesen Neubau zu rechtfertigen, müssen jedoch zwei bestehende Grundschulen weichen. Sogar die Grundschule Heiligenthal, die in einem Top-Zustand ist, soll geopfert werden, um in Gerbstedt neu bauen zu können. Das ist der Lohn an die Heiligenthaler, die nicht nur ihre Schule stets fit gehalten, sondern zudem ein weithin anerkanntes Naturgrundschul-Konzept erarbeitet und erfolgreich umgesetzt haben.
Die Arbeit und der jahrelange Fleiß all der Lehrer, Schüler und Eltern, die die Naturgrundschule Heiligenthal zu einem Vorzeigeobjekt gemacht haben, wird durch diese Entscheidung der Gerbstedter Räte kaputt gemacht. Sollten die Fördermittel zum Neubau der Schule Gerbstedt aus dem Stark III-Programm kommen, dann erweist sich dieses Programm in der Realität als Schulstandort-Vernichtungsprogramm.
Eine weitere Kritik an die Gerbstedter Stadträte: Warum wurde nicht auf das wirklich anständige Angebot der Eisleber Bürgermeisterin Jutta Fischer eingegangen, Grundschüler aus Polleben in Heiligenthal bzw. Siersleben beschulen zu lassen? Damit wären die erforderlichen Schülerzahlen langfristig gesichert und das Argument, die Schulen wegen Unterbelegung schließen zu müssen, vom Tisch gewesen.
Den Gedanken, durch ein Bürgerbegehren diesen Stadtratsbeschluss zu kippen, halte ich für sehr vernünftig und weitsichtig. Deshalb unterstütze ich es in jedem Fall.
In der gesamten Debatte geht es in einer Tour nur ums Geld, um Zuweisungen, Einnahmen und Verluste. Das ganze Gerede um Zahlungen erinnert mich an Ausreden eines provinziellen Winkeladvokaten. Das ist der Sache nicht wirklich dienlich. Und im Übrigen vermisse ich in der gesamten Debatte das entscheidende Argument für den Erhalt dieser Grundschulstandorte: die Kinder und damit die Zukunft der betroffenen Gemeinden und letztlich unserer gesamten Region.
Der Gesetzgeber hat die Möglichkeit der Bildung von Schulverbänden eingeräumt. Es ist eine Schande, dass das von den Gerbstedter Stadträten erst gar nicht in Erwägung gezogen wurde. Beschämenswert ist dies aber nicht zuletzt deshalb, weil sich mit dieser Entscheidung der CDU-dominierte Gerbstedter Stadtrat über einen Landtagsbeschluss der eigenen Partei vom 5. Dezember 2015 in Staßfurt hinwegsetzt. Dort heißt es zum Thema Infrastrukturen im ländlichen Raum erhalten wörtlich: Daher werden wir: Durch Grundschulverbände kleine Schulen auch im ländlichen Raum erhalten. Interessant ist, dass der damaligen CDU-Fraktion derselbe Landtagsabgeordnete angehört hat, der die Gerbstedter Stadtratsentscheidung mit den in der Presse zitierten Worten kommentiert hat: Der Rat hat sehr klug gehandelt. Darauf fällt mir echt nichts mehr ein – außer ein Zitat von Kurt Tucholsky: Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.
Autor: nisAngeblich stehen Fördermittel für den Neubau einer Grundschule in Gerbstedt zur Verfügung. Wieso werden diese Mittel nicht für die Sanierung der vorhandenen Schule eingesetzt? Oder, mal provokant gefragt: Wurde die Gerbstedter Grundschule jahrelang sanierungstechnisch derart vernachlässigt, damit sie irgendwann durch einen Neubau ersetzt werden muss? Um diesen Neubau zu rechtfertigen, müssen jedoch zwei bestehende Grundschulen weichen. Sogar die Grundschule Heiligenthal, die in einem Top-Zustand ist, soll geopfert werden, um in Gerbstedt neu bauen zu können. Das ist der Lohn an die Heiligenthaler, die nicht nur ihre Schule stets fit gehalten, sondern zudem ein weithin anerkanntes Naturgrundschul-Konzept erarbeitet und erfolgreich umgesetzt haben.
Die Arbeit und der jahrelange Fleiß all der Lehrer, Schüler und Eltern, die die Naturgrundschule Heiligenthal zu einem Vorzeigeobjekt gemacht haben, wird durch diese Entscheidung der Gerbstedter Räte kaputt gemacht. Sollten die Fördermittel zum Neubau der Schule Gerbstedt aus dem Stark III-Programm kommen, dann erweist sich dieses Programm in der Realität als Schulstandort-Vernichtungsprogramm.
Eine weitere Kritik an die Gerbstedter Stadträte: Warum wurde nicht auf das wirklich anständige Angebot der Eisleber Bürgermeisterin Jutta Fischer eingegangen, Grundschüler aus Polleben in Heiligenthal bzw. Siersleben beschulen zu lassen? Damit wären die erforderlichen Schülerzahlen langfristig gesichert und das Argument, die Schulen wegen Unterbelegung schließen zu müssen, vom Tisch gewesen.
Den Gedanken, durch ein Bürgerbegehren diesen Stadtratsbeschluss zu kippen, halte ich für sehr vernünftig und weitsichtig. Deshalb unterstütze ich es in jedem Fall.
In der gesamten Debatte geht es in einer Tour nur ums Geld, um Zuweisungen, Einnahmen und Verluste. Das ganze Gerede um Zahlungen erinnert mich an Ausreden eines provinziellen Winkeladvokaten. Das ist der Sache nicht wirklich dienlich. Und im Übrigen vermisse ich in der gesamten Debatte das entscheidende Argument für den Erhalt dieser Grundschulstandorte: die Kinder und damit die Zukunft der betroffenen Gemeinden und letztlich unserer gesamten Region.
Der Gesetzgeber hat die Möglichkeit der Bildung von Schulverbänden eingeräumt. Es ist eine Schande, dass das von den Gerbstedter Stadträten erst gar nicht in Erwägung gezogen wurde. Beschämenswert ist dies aber nicht zuletzt deshalb, weil sich mit dieser Entscheidung der CDU-dominierte Gerbstedter Stadtrat über einen Landtagsbeschluss der eigenen Partei vom 5. Dezember 2015 in Staßfurt hinwegsetzt. Dort heißt es zum Thema Infrastrukturen im ländlichen Raum erhalten wörtlich: Daher werden wir: Durch Grundschulverbände kleine Schulen auch im ländlichen Raum erhalten. Interessant ist, dass der damaligen CDU-Fraktion derselbe Landtagsabgeordnete angehört hat, der die Gerbstedter Stadtratsentscheidung mit den in der Presse zitierten Worten kommentiert hat: Der Rat hat sehr klug gehandelt. Darauf fällt mir echt nichts mehr ein – außer ein Zitat von Kurt Tucholsky: Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.
