Höhlenretter suchen am Kyffhäuser nach möglichen Verschütteten
Ein aufgebrochenes Zugangstor, eine Staubwolke und verdächtige Spuren an einer Höhle im Napptal bei Bad Frankenhausen sorgten für einen außergewöhnlichen Rettungseinsatz im Kyffhäuser. Weil nicht ausgeschlossen werden konnte, dass sich zum Zeitpunkt eines Gesteinsabbruchs Personen unbefugt im Höhlensystem aufhielten und verschüttet wurden, wurde die Höhlenrettungsgruppe der DRK-Bergwacht Thüringen alarmiert...
Sommer am Kyffhäuser, Archivbild (Foto: agl)
Was zunächst als unklare Lage begann, entwickelte sich schnell zu einem komplexen Einsatz unter Tage. Bereits kurz nach der Alarmierung traf die erste Einsatzkraft zur Lageerkundung ein. In den folgenden Stunden rückten weitere Spezialkräfte mit dem Höhlenrettungsanhänger an, der mit spezieller Rettungs-, Seil- und Kommunikationstechnik für Einsätze in Höhlen ausgestattet ist.
Bei Einsätzen dieser Art zählt jede Information. Gleichzeitig müssen unsere Einsatzkräfte die erheblichen Gefahren unter Tage jederzeit im Blick behalten, erklärt die DRK-Bergwacht Thüringen.
Einsatz unter extrem schwierigen Bedingungen
Im Inneren der Höhle bestätigte sich die angespannte Lage. Direkt hinter dem Eingangsbereich fanden die Retter eine kuppelförmige Halle mit mehreren abzweigenden Gängen vor. Bereits dort waren massive Gesteinsblöcke von Decke und Wänden herabgestürzt.
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Die Spezialisten der Bergwacht stellten fest, dass weite Teile des Höhlensystems durch stark brüchiges Gestein geprägt waren. Die Gefahr weiterer Abbrüche und möglicher Einstürze war jederzeit gegeben. Da kein alternativer Zugang zur Höhle bekannt war und ein weiteres Vordringen in die gefährdeten Bereiche nur unter erheblichen Risiken möglich gewesen wäre, wurden zusätzliche Spezialkräfte hinzugezogen.
Neben den Höhlenrettern kamen Rettungshunde zur Suche nach möglicherweise verschütteten Personen zum Einsatz. Unterstützt wurden die Maßnahmen von einem Fachberater des Technischen Hilfswerks (THW), der Möglichkeiten zur Sicherung der instabilen Deckenbereiche prüfte.
Suche mit modernster Technik bleibt ohne Befund
Über Stunden hinweg wurde das Höhlensystem intensiv abgesucht. Neben drei speziell ausgebildeten Rettungshunden kamen Drohnentechnik, Ortungsmittel sowie die Expertise eines Fachberaters aus der Höhlenforschung zum Einsatz.
Nach eingehender Erkundung aller zugänglichen Bereiche konnten die Einsatzkräfte schließlich Entwarnung geben: Weder Personen noch Hinweise auf Verschüttete oder andere Lebenszeichen wurden festgestellt.
Der Einsatz wurde daraufhin beendet.
Dank an alle Beteiligten
Die DRK-Bergwacht Thüringen bedankt sich ausdrücklich bei den sechs ehrenamtlichen Höhlenrettern sowie bei allen beteiligten Einsatzorganisationen für die professionelle und engagierte Zusammenarbeit.
Thüringen verfügt über spezialisierte Höhlenrettung
Hinter der erfolgreichen Bewältigung solcher Einsätze steht eine hochspezialisierte Rettungsstruktur. Thüringen verfügt aufgrund seiner zahlreichen natürlichen Höhlen über eine fest etablierte Höhlenrettung innerhalb der DRK-Bergwacht.
Aktuell engagieren sich 15 speziell ausgebildete Höhlenretter aus sieben Bergwacht-Bereitschaften im Freistaat. Sie werden bei besonderen Einsatzlagen zentral über den DRK-Landesverband Thüringen alarmiert und kommen landesweit zum Einsatz.
Um Menschen auch unter extremen Bedingungen helfen zu können, verfügt die Einheit über spezielle Rettungs- und Kommunikationstechnik für den Einsatz unter Tage. Finanziert wird diese Ausstattung durch Fördermittel des Freistaats Thüringen sowie durch Eigenmittel des DRK-Landesverbandes Thüringen.
Darüber hinaus ist die Thüringer Höhlenrettung Teil des bundesweiten Höhlenrettungsverbundes Deutschland (HRVD) und arbeitet eng mit anderen spezialisierten Rettungsgruppen zusammen. Für Einsätze im Altbergbau stehen zusätzlich eigens hierfür ausgebildete Spezialkräfte bereit. DRK Landesverband Thüringen