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Mi, 08:54 Uhr
29.07.2026
Starke Psychosoziale Notfallversorgung

Wie verarbeite ich eine erlebte Gewalttat?

Im Juli 2026 jähren sich gleich mehrere Ereignisse, die sich tief in das kollektive Gedächtnis eingeprägt haben. Der Terrorakt auf der Promenade des Anglais in Nizza am 14. Juli 2026, der Anschlag an Olympia-Einkaufzentrum in München am 22. Juli 2026 sowie das Bombenattentat in Ansbach zwei Tage später...

Diese und weitere Terroranschläge und schwere Gewaltereignisse, wie der Anschlag am 25. Juli 2026 am Rande des CSD in Berlin, haben unermessliches Leid verursacht. Sie haben Menschenleben gefordert und das Sicherheitsgefühl vieler Menschen in Deutschland nachhaltig erschüttert. Zehn Jahre nach den Anschlägen in München und Nizza und noch erschüttert vom Anschlag am CSD-Wochenende in Berlin gedenken wir der Opfer.
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Als Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e. V. (BDP) erinnern wir uns vor dem Hintergrund der vergangenen sowie aktuellen Ereignisse und gedenken der Opfer. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen, den Versehrten sowie allen, deren Leben bis heute von den Folgen der Ereignisse beeinflusst wird. Unser Respekt gilt den Einsatzkräften, den Mitarbeitenden von Rettungsdiensten, Polizei und Feuerwehr, medizinischen Teams, der Psychosozialen Notfallversorgung, Psychotherapeut*innen, Beratungsstellen sowie zahlreichen ehrenamtlich Engagierten, die in der Zeit nach den Ereignissen Verantwortung übernommen und Menschen begleitet haben.

Für Betroffene enden Gefühle der Angst, Hilflosigkeit oder Trauer nicht mit der medizinischen und psychosozialen Versorgung oder öffentlichen Aufmerksamkeit. Außergewöhnliche Gewaltereignisse können weitreichende und langfristige Folgen für die psychische Gesundheit haben. Posttraumatischen Belastungsstörungen werden nicht selten begleitet von Depressionen, Angststörungen, komplizierten Trauerreaktionen oder anhaltenden Beeinträchtigungen des sozialen und beruflichen Lebens. Neben Hinterbliebenen und Versehrten können auch Augenzeug*innen, Ersthelfende, Einsatzkräfte sowie medizinisches Personal erheblich belastet sein.

Eine frühzeitige, fachlich qualifizierte und langfristig verfügbare Unterstützung kann die Verarbeitung traumatischer Erfahrungen wesentlich fördern. Traumatische Belastungen sowie daraus resultierende psychische Folgeerkrankungen sind behandelbar. Deutschland verfügt über leistungsfähige Strukturen der psychosozialen Versorgung wie u. a. die Psychosoziale Notfallversorgung, spezialisierte Traumaambulanzen, Opferhilfeeinrichtungen, Psychotherapeuten und Notfallpsychologen.

Ziele terroristischer und schwerer Gewalttaten sind die Verbreitung von Angst und Unsicherheit sowie die Erschütterung des Vertrauens in eine offene Gesellschaft. Solche sowie auch weitere Großschadenslagen wie Naturkatastrophen bleiben wahrscheinlich. Der Ausbau von Sicherheitsstrategien ist daher eine wichtige Maßnahme der Gefahrenabwehr.

Dazu gehören auch psychosoziale Versorgungsstrukturen. Denn sie stärken nicht nur Betroffene, sondern auch Familien und Gemeinschaften sowie das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit unseres Gemeinwesens. Ein Hilfesystem muss dabei flexibel, dauerhaft erreichbar und auf langfristige Begleitung ausgerichtet sein. Das gesellschaftliche Bewusstsein ist diesbezüglich deutlich gestiegen. Jetzt braucht es eine entsprechende Umsetzung auf politischer Ebene.

Der BDP fordert eine bundesweite verlässliche und nachhaltige Finanzierung aller Hilfsangebote innerhalb psychosozialer Versorgungsstrukturen mit klaren Zuständigkeiten und Qualitätsstandards, d. h. eine Etablierung vorhandener flächendeckender Strukturen sowie den weiteren Auf- und Ausbau der Psychosozialen Notfallversorgung und eine enge Zusammenarbeit mit relevanten Bereichen des Gesundheitswesens, der Sicherheitsbehörden sowie der Politik.

Niemand, der von Terror oder schwerer Gewalt psychisch betroffen ist, darf mit den Folgen alleingelassen werden. Eine nachhaltige psychosoziale Versorgung ist Ausdruck von Menschlichkeit und gesellschaftlicher Verantwortung. Dafür setzen wir uns als Berufsverband ein.
Bettina Genée
Autor: emw

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Kommentare
DonaldT
29.07.2026, 16:10 Uhr
Wie verarbeite ich eine erlebte Gewalttat?
Vor allem dadurch, dass die Täter nach dem Gesetz bestraft werden und es da keine "Kuscheljustiz" gibt!
Zarathustra
30.07.2026, 20:03 Uhr
Mehr Zeit..
..für die Opfer ist das Wichtigste. Als ob es irgendein Kind interessiert, was für seine Lebzeiten ein Trauma durch eine Vergewaltigung hat, was mit seinem Täter passiert.
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