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So, 10:00 Uhr
28.06.2026
Abgefahren

Der Weg ist das Ziel

Wer sich seit Jahren für die Welt der Off-Road-Fahrzeuge interessiert, der kennt entweder den Mann oder er machte schon mal digital Station in Berga. Holger Strien hat eine unglaubliche Geschichte geschrieben. Zufällig oder eher zielstrebig. Wir haben ihn besucht…

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Inmitten seiner "Welt" - Holger Strien (Foto: nnz)

Buchenweg 3 in Berga klingt erst einmal als Adresse verhalten und bieder. Doch das Firmengebäude von Select Cars Racing - kurz SCR - ist nicht zu übersehen. Doch bevor sich der 53jährige seinen Traum erfüllte, durchlief er eine Biographie, wie es sie millionenfach in der damaligen DDR gab. Geboren in Auleben, Regelschule in Görsbach, KfZ-Mechaniker in der PGH “Gute Fahrt” gelernt. Nicht zweieinhalb, sondern dreieinhalb Jahre, weil die Ausbildung mitten in die Wende “fiel”.

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Die Welt - vor allem die mit Motoren, Achsen und Rädern - stand ihm nun offen: dem jungen Mann, der von Kindheit an die Geräusche von der Motocross-Strecke bei Hamma vernahm. Wegbegleiter waren damals Thomas Meyer oder Jürgen Mucha. Vom Autohaus Peter führte ihn der Weg zur Spedition Hempowitz.

Es war die Zeit der 1990er Jahre, auch Holger hatte Westgeld und es gab die ersten Quads zu kaufen. 1995 war es ein Yamaha-Quad und die motorisierte Liebe zu vier Rädern und zwei Achsen war von dann an unumstößlich. Doch der 25 jährige wollte mehr, gründete eine Spedition mit einem Lkw, die im Laufe der Jahre ständig ausgebaut wurde. Mit seinem Schulfreund Enrico Krummel fand er ein Grundstück in der Nachbarschaft des Marktkauf in Nordhausen, das war 2005.

Er verkaufte die ersten Buggys, die bei den Amis “Side by Side” genannt werden. Im “Netz” bestellte er einen ersten “Polaris”. “8.000 Dollar kostete das Ding. Da ich das Teil aber schnellstens im Geschäft haben wollte, erschien mir Luftfracht sehr effizient”, erzählt Holger im Gespräch mit der nnz. Der “Nachteil”: der Transport per Flugzeug kostete 9.000 US-Dollar. Hinzu kamen die Formalitäten beim Zoll in Frankfurt. Alles egal, nach zwei Tagen stand der erste “Polaris” auf dem Hof in Nordhausen.

Und dann ging alles ziemlich schnell und immer nach oben. In Deutschland gab es inzwischen einen Exporteur, gebaut wurde “Polaris” auch in Polen. Das Ergebnis: fünf Jahre lang war Holger Strien “Bester Händler Europas” und wurde zu einer gigantischen Party in die USA eingeladen. Unter den “Händlern außerhalb der USA” belegte er mit jährlich um die 100 verkauften Fahrzeugen den 10. Platz. “Darüber habe ich mich natürlich riesig gefreut, aber der Abstand zu Platz 9, das waren dann die US-Händler, war genauso riesig. Der Kollege hatte knapp 5.000 Fahrzeuge verkauft”. Heute schmunzelt Holger und vielleicht war dieses Erlebnis auch eine der Motivationen für die Expansion, für seinen Weg.

Die erste Etappe war von den Grundstücken hier in Nordhausen nicht so pralle, auch die Unterstützung seitens der Verwaltung ließ eher zu wünschen übrig. Durch einen Zufall kam er 2015 zu der leerstehenden Immobilie in Berga, hatte beim Kauf der Halle “tolle Unterstützung” von der Kommune und der “Laden” explodierte in den folgenden Jahren förmlich. “Zwischen unseren Kunden und meinem Team besteht eine Gemeinsamkeit - wir alle leben die Welt von Polaris, Arctic Cat, CF Moto und auch Segway und 80 Prozent können sie sich auch leisten.”

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Rund 300 Fahrzeuge im Jahr verkauft der gebürtige Auleber (Foto: nnz)

Doch Stillstand, das war und ist nicht das “Ding” des Holger Strien. So richtig crossen kann man in Deutschland kaum noch, in Rumänien schon. Eine Destination hatten sie in unmittelbarer Nähe zu den Karpaten gefunden und wieder sollte der Zufall zu Hilfe kommen. Durch einen Guide erfuhren sie, dass - nur wenige Meter entfernt - eine Pension mit acht Doppelzimmern zum Verkauf stand. Nun hat Holger dort unten seine “Casa Luca”, die nicht nur irre Touren, sondern auch Gemütlichkeit und Ruhe bietet. Gleich nebenan ist Hermannstadt, “da bist du gefühlt Zuhause. Nicht nur, dass hier fast alle Deutsch sprechen, da gibt es tatsächlich ein Heimatgefühl und Volksfeste oder einen liebevoll gestalteten Weihnachtsmarkt. Ohne Absperrungen oder Poller”, schwärmt Strien.

Doch das Leben des Holger Strien hat natürlich auch andere Facetten. Seine Ehefrau Mascha, eine Ukrainerin, die vor mehr als 15 Jahren nach Deutschland kam und hier studiert hat, lernte er bei einem Händlertreffen in Österreich kennen. Der gemeinsame Sohn, Richard, geht in die vierte Klasse, steht statt auf Iphone und Playstation lieber auf Kurbelwelle, Schraubenschlüssel und “Problemlösungen”. Mascha ist mittlerweile verbeamtete Lehrerin am Beruflichen Gymnasium in Nordhausen und kümmert sich nebenbei um die Buchhaltung bei SCR.

Das Unternehmen in Berga hat acht Mitarbeiter und verkauft rund 300 Fahrzeuge im Jahr. Nicht ohne Stolz erwähnt Holger Strien, dass er in Deutschland der führende Händler in der Kategorie “Side by Side” ist. Stückzahlen sind nicht das Ziel, wenn man diesen Job als Teil seines Lebens benennt, der Weg und das Lösen von Problemen ist es und da der Mann mit dem aktuell erfolgreichen Verkauf seiner Spedition noch ein wenig mehr Zeit hat…
Peter-Stefan Greiner
Autor: psg

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