nnz-online
29. Südharz-Hunderter

Normal, unnormal und international

Montag, 12. Februar 2018, 19:51 Uhr
Für Görsbach war es gewiss etwas Neues: 10 Wanderer, die sich am vergangenen Sonnabend gegen 11:45 zu Fuß auf den Weg in Richtung Halle machten. Zwei weitere Teilnehmer starteten notgedrungen am Ziel in Halle-Nietleben, was auf Zugverspätungen der Deutschen Bahn zurückzuführen war...

Geschafft (Foto: Bodo Schwarzberg) Geschafft: Jürgen Hadel (407 Hunderter) und Dr. Dietmar Klee am S-Bahnhof Halle-Nietleben. Dietmar Klee erwanderte erstmals 100 Kilometer am Stück.

Die beiden hätten es auf Schienen nicht rechtzeitig nach Görsbach als eigentlichen Startort geschafft.Wir sollten sie auf der Hälfte der Strecke in Grillenberg treffen. Gemeinsam mit uns anderen, wanderten sie schließlich auf derselben Strecke zurück nach Halle und erreichten so ebenfalls 100 km.

Außergewöhnlich beim 29. Südharz-Hunderter waren ausnahmsweise mal nicht das Wetter, dafür der Startort, und auch die Wanderer selbst. Denn aus noch immer nicht komplett nachvollziehbaren Gründen waren der Karstwanderweg im Alten Stolberg und weitere nicht näher definierte Waldgebiete im Landkreis Nordhausen wenige Tage vor der Veranstaltung, aber immerhin bereits drei Wochen nach Orkan Friederike (!), durch den ehrenamtlichen Kreiswegemeister Heise (!) gesperrt worden.

Die Zusammensetzung der Teilnehmer beim 29. Südharz-Hunderter war außergewöhnlich, weil neben der Kasachin Olja zwischen Görsbach und Berga auch der Syrer Ahmed mitwanderte. Ihn hatte die Studentin etwas überraschend mitgebracht. Allerdings war die Ausrüstung des Flüchtlings den Anforderungen einer Langstreckenwanderung nicht gewachsen, und er gab auch aus körperlichen Gründen nach 13 Kilometern auf. Die anderen Starter reisten aus Berlin, dem Vogtland, der Oberlausitz, Halle, Laucha, Nordhausen und Leipzig an.

Die ersten rund 20 km, über Auleben, Kelbra und Berga nach Uftrungen, entlang des Stausees, den Solquellen an der Numburg und durch das Naturschutzgebiet Schlossberg-Solwiesen, war vor allem für Stammwanderer des Südharz-Hunderters eine gern wahrgenommene Abwechslung von der üblichen Route.

Entlang der Thyra erreichten wir mit rund dreißigminütiger Verspätung den Thyrafuchs am Rande von Uftrungen, das GPS zeigte mit knapp 21 km bis dahin knapp 2 Kilometer mehr als vorausberechnet an. Diese Verspätung sollte sich bis zur nächtlichen Einkehr im Harzer Erlebnishof Grillenberg nach (laut Streckenplan) 49 km erhalten.

In seinem Heimatort Breitungen verließ uns planmäßig unser Stammteilnehmer Peter Jermann, der mit 75 Jahren zugleich der älteste Aktive war. Kurz vor Wettelrode passierten wir ein Straßenkreuz, dass an einen Unfall im September 2005 erinnert. Bei diesem kam eine junge Triathletin während des Trainings unverschuldet ums Leben. Auch zwölf Jahre nach der Tragödie beeindruckt uns dieses Kreuz jedesmal von Neuem: Denn neben regelmäßig erneuertem Blumenschmuck wird es permanent von ein oder zwei Grabkerzen erleuchtet, so dass wir Nachtwanderer es stets schon von weitem wahrnehmen.

In Grillenberg entschlossen sich unsere weiblichen Teilnehmer, doch lieber für eine Nacht im heimischen Bett und ließen sich abholen. Beide, neben der Nordhäuserin Jutta auch die Kasachin Olia, zeigten sich überglücklich über die erreichten rund 50 Kilometer auf der Urkunde, die für sie eine persönliche Bestleistung darstellen.

Für die verbliebenen neun Wanderer ging es um Mitternacht auf die zweite Hälfte der Strecke, gegen 4:30 erreichten wir Eisleben (dort verließ uns ein weiterer Teilnehmer) und gegen 7:15 das ersehnte Frühstück im Strandhotel Aseleben am Süßen See und Kilometer 80.

Stunden zuvor war uns, übrigens zur wechselseitigen Verwunderung, im mitternächtlichen Wald eine Polizeistreife begegnet. Sie befand sich auf der Suche nach einer suizidgefährdeten Frau, wir sollten die Augen offen halten. Die verdutzten Beamten boten schließlich an, uns ein Stück mitzunehmen und sie versprachen, niemandem etwas davon zu sagen. Wir bekundeten keinerlei Interesse an dieser gewiss mit Augenzwinkern vorgebrachten Offerte.

Auf den ab Aseleben verbliebenen 20 Kilometern durch das Salzatal nach Halle zog sich das kleine Teilnehmerfeld etwas auseinander, im Durchschnitt wurde die geplante Ankunfszeit 12:45 wieder erreicht. Die GPS-Geräte zeigten 103 Kilometer an.

Ein besonderes Geschenk machte sich Dr. Dietmar Klee aus Süpplingen: Er schaffte seine erste 100 km-Wanderung im Nonstop-Modus.

Für all Jene, die bei diesen Zeilen auf den Geschmack gekommen sind: Vom 3.-5.8. findet der 12. Harz-Hunderter Extrem über 147 km von Seesen nach Eisleben statt, am 27. und 28.10. der 30. Südharz-Hunderter von Nordhausen über Halle (100 km) nach Leipzig (140 km) und am 8. Und 9.12.18 der 31. Südharz-Hunderter von Nordhausen nach Halle. (Infos einholen unter bodo_schwarzberg@yahoo.de)
Bodo Schwarzberg
Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2017 msh-online.de