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So, 11:55 Uhr
10.09.2017
Mario's Bücherkiste

Egon Schiele: Enfant terrible der Wiener Moderne

Er wurde 1959 in Nordhausen geboren, hat in Redaktionen vieler großer Deutscher Zeitungen gearbeitet. Und der Mann liest gern. Für die Nordthüringer Online-Zeitungen stöbert Mario Bartsch in den Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt...


Generationen von Künstlerinnen und Künstlern hat er beeinflusst: Egon Schiele, dessen Darstellungen von Sexualität die Wiener Gesellschaft vor den Kopf stießen.

Der Taschen-Verlag hat nun unter dem Titel „Egon Schiele. Sämtliche Gemälde von 1909–1918" eine Ausgabe der Werke Schieles aus seinem letzten Schaffensjahrzehnt veröffentlicht. In dem opulenten Bildband werden seine Bilder erstmals umfassend erlebbar.

Egon Schiele ist einer der meist diskutiertesten, radikalsten und originellsten Künstler seiner Zeit. Sein kreatives Schaffen wird inspiriert von schönen Frauen und dem pulsierenden Zeitgeist einer zu Ende gehenden Ära. Nachdem er sich aus dem Schatten seines Mentors und Vorbildes Gustav Klimt befreit hatte, blieben ihm noch zehn Jahre, um sich mit einer unverwechselbaren Handschrift in die Geschichte der Moderne einzuschreiben, bevor er, wie viele Millionen andere Menschen weltweit, von der Spanischen Grippe dahingerafft wurde. Er wurde lediglich 28 Jahre alt.

Cover (Foto: Taschen-Verlag) Als früh vom eigenen Genie überzeugtes Wunderkind und Provokateur aus Leidenschaft fiel ihm das nicht schwer. Seine ausgezehrten, überdehnten Gestalten, seine drastische Darstellung der Sexualität und seine Selbstporträts, in denen er sich hohlwangig zwischen Genie und Wahnsinn inszenierte, hatten so gar nichts von der dekorativen Qualität der Klimt’schen Hymnen an Liebe, Sexualität und sehnsuchtsvolle Hingabe. Schiele war von brutaler Direktheit und stieß damit die Wiener Gesellschaft erfolgreich vor den Kopf.

Auch wenn seine Werke später als „entartet“ diffamiert wurden und eine Zeit lang fast in Vergessenheit gerieten, haben sie doch Generationen von Künstlerinnen und Künstlern beeinflusst – von Günter Brus und Francis Bacon bis Tracey Emin. Heute erzielen seine damals so missverstandenen Werke auf dem internationalen Kunstmarkt exorbitante Preise.

Ein brillanter Überblick

Dieser Prachtband taucht anhand ausgewählter Werke in Schieles kurze, aber intensive Karriere ein und beleuchtet seinen enormen Einfluss auf die Kunst der Moderne. Absolut herausragend sind Qualität und Präsentation der Abbildungen. Fast 150 Zeichnungen und über 220 Gemälde, erstmals überhaupt durchweg in Farbe, und viele neu fotografiert, versammelt das 600-seitige Buch im XXL-Format; die einen auf Hochglanzpapier gedruckt, die anderen auf büttenähnlichem Papier. Am Ende des Prachtbandes befindet sich ein beispielloses Werkverzeichnis, das sich sowohl durch „einfühlsame Nähe“ wie durch „kritische Distanz“ auszeichnet.

Der Herausgeber

Tobias G. Natter ist ein international geschätzter Fachmann für die Kunst in Wien um 1900. Er war lange Zeit an der Österreichischen Galerie Belvedere in Wien tätig, zuletzt als Chefkurator. Zudem arbeitete er als Gastkurator an der Tate Liverpool, der Neuen Galerie New York, der Hamburger Kunsthalle, der Schirn in Frankfurt am Main und dem Jüdischen Museum Wien. Von 2006 bis 2011 leitete er das Vorarlberger Landesmuseum in Bregenz und war von 2011 bis 2013 Direktor des Wiener Leopold Museums. Im Jahr 2014 gründete er das Unternehmen Natter Fine Arts, das sich auf die Schätzung von Kunstwerken und die Entwicklung von Ausstellungen spezialisiert hat.
Mario Bartsch

Tobias G. Natter: „Egon Schiele. Sämtliche Gemälde 1909-1918“
Hardcover; 608 Seiten
Taschen-Verlag; 2017
150 Euro
ISBN 978-3-8365-4613-3
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