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Di, 15:03 Uhr
22.08.2017
Uranbelastetes Wasser in Sangerhausen:

Neuer OB will sich für sicheres Trinkwasser einsetzen

Der neue Oberbürgermeister von Sangerhausen, Sven Strauß, möchte sich für sicheres Trinkwasser in seiner Stadt stark machen. Bei einem Treffen mit der Verbraucherorganisation foodwatch betonte der SPD-Politiker...

Unterschriften an OB übergeben (Foto: foodwatch)

"Mir ist das Thema wichtig". Er wolle seinen Einfluss im Wasserverband Südharz geltend machen, damit eine benötigte Anschlussleitung bald gebaut wird. foodwatch überreichte dem Oberbürgermeister mehr als 26.000 Unterschriften einer Petition für sicheres Wasser. Das Trinkwasser in Sangerhausen ist mit Uran sowie mit Nitrat und Sulfat belastet. Dies birgt für Säuglinge, Kleinkinder und Schwangere gesundheitliche Gefahren.

"Es liegt nun am neuen Oberbürgermeister Sven Strauß, dass in seiner Stadt endlich sicheres Wasser fließt. Er muss darauf beharren, dass der Wasserverband Südharz einen verbindlichen Zeitplan für den Bau der Leitung festlegt und diesen auch finanziell absichert. Es darf nicht sein, dass der Wasserverband die Bauarbeiten immer und immer wieder verschleppt und damit Kleinkinder und Schwangere einem vermeidbaren Gesundheitsrisiko aussetzt", sagte Sophie Unger von foodwatch.

Seit Jahren kämpfen die Bürgerinnen und Bürger Sangerhausens für sicheres Trinkwasser in ihrer Stadt. Die Lösung liegt nur einen Katzensprung entfernt: Knapp acht Kilometer Leitung müssten gebaut werden, um Sangerhausen an die Fernwasserleitung anzuschließen und die Menschen mit gesundem Wasser aus der Rappbode-Talsperre zu versorgen. 2013 hat sich der Stadtrat für den Anschluss ausgesprochen, seit 2014 hat die Landesregierung mehr als drei Millionen Euro bereitgestellt. Doch gebaut wird immer noch nicht.

Zwar sei ihm das Thema wichtig, sagte Herr Strauß im Rahmen eines Treffens mit foodwatch und der Bürgeraktion für uranfreies Trinkwasser im Vorfeld der 53. Verbandsversammlung des Wasserverbandes Südharz. Es sei derzeit jedoch nicht möglich, einen realistischen Zeitplan zu nennen, so der neue Oberbürgermeister.

Die Geschäftsführerin des Wasserverbandes Südharz, Jutta Parnieske-Pasterkamp, verwies bereits Anfang des Jahres darauf, dass der Bau der Fernwasserleitung ein komplexes Vorhaben sei und ein vorheriges Planverfahren erfordere. Bevor ein verbindlicher Zeitplan vorgelegt werden könne, seien noch mehrere andere Schritte nötig. Man arbeite aber "mit Hochdruck", erklärte Frau Parnieske-Pasterkamp gegenüber foodwatch.

Regelmäßig werden in Sangerhausen erhöhte Uranwerte im Trinkwasser festgestellt. Diese liegen aktuell zwar unter dem gesetzlichen Höchstwert von zehn Mikrogramm je Liter, jedoch ist dieser Wert nur für Erwachsene unbedenklich, wie sich aus einer Wissenschaftlichen Stellungnahme der EU-Gesundheitsbehörde EFSA ableiten lässt. "Seit Jahren unternimmt der Wasserverband Südharz nicht genug, um die Schwächsten der Gesellschaft - nämlich Kinder und Schwangere - ausreichend zu schützen. Das widerspricht dem vorsorgenden Gesundheitsschutz, einem Grundprinzip der EU-Verfassung", kritisierte Unger.

Uran ist ein toxisches Schwermetall. In höherer Dosis über einen längeren Zeitraum aufgenommen, kann es dauerhaft Blut, Knochen und Nieren schädigen. Auch Nitrat und Sulfat gelten als problematisch, die Wechselwirkungen der drei Substanzen verstärken die gesundheitlichen Risiken zudem. Problematisch ist dabei nicht die Radioaktivität von Uran, sondern die chemische Giftigkeit des Schwermetalls.

Für Trinkwasser gilt seit dem 1. November 2011 ein Grenzwert von zehn Mikrogramm Uran pro Liter. Dieser ist jedoch so hoch angesetzt, dass zwar Erwachsene, nicht aber Säuglinge und Kleinkinder ausreichend geschützt werden. foodwatch fordert einen Grenzwert von maximal zwei Mikrogramm Uran pro Liter. Nur so kann dem Gesundheitsschutz umfassend Rechnung getragen werden.
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Kommentare

22.08.2017, 17.54 Uhr
Friedrich I. | Uran im Trinkwasser
in Sangerhausen war auch schon dem SED-Bürgermeister bekannt, der hier nach 1990 langjährig residierte.
23.08.2017, 11.52 Uhr
Wolfi65 | Noch eine Stadt an die Rappbode Talsperre anschließen?
Wieviel Städte sollen denn noch das Wasser aus dem Rappbode Talsperren System bekommen? Manchmal kann man schon auf den Grund der Talsperre schauen, wenn es wieder einmal längere Zeit nicht geregnet hat und die Schneeschmelze ausgeblieben ist. Die ehemalige Bezirksstadt Halle/Saale wird schon aus der Rappbode Talsperre versorgt und wahrscheinlich auch die Dörfer und Kleinstädte bis dorthin. Will man etwa den Harz trockenlegen, damit alle das Harzwasser bekommen? Vielleicht kommt man irgendwann auf die Idee, die Stadt Erfurt an das Nordhäuser Trinkwassersystem anzuschließen, damit man nitratfreies Wasser aus dem Harz bekommt. Die vom Menschen verursachte Umweltverschmutzung treibt langsam ihre Blüten.
23.08.2017, 12.27 Uhr
henry12 | Also gibt es sie immer noch !
Es gab also in SGH einen Bürgermeister der SED.
Wow ! Und niemand hat`s bemerkt. Aber wer
2017 als erster preußischer König kommentiert, dem erscheint Geschichte nicht hinter- sondern
übereinander, also gleichzeitig.
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